Chrispage

Im Zuge unseres Ecuadorurlaubes 2001 hatten wir auch einige Bergtouren unternommen. Zum Teil bedienten wir uns örtlicher Agenturen, die es sowohl in Quito als auch in Banos zur Genüge gibt. Die Abwicklung ist generell eher unkompliziert und sehr kurzfristig buchbar. Wenn man mehrere Touren vor hat zahlt es sich aus, dies in den Verhandlungen bekannt zu geben. Sehr viel ist zwar nicht drinnen, aber vielleicht eine Hotelnächtigung gratis. Die Preise bewegten sich so um die US $ 150.- pro Tag und Person. Inkludiert sind Anreise, Proviant, evtl. Ausrüstung sofern diese nicht vorhanden ist. Einzig Kleidung und Schuhe würde ich schon aus hygienischen Gründen anraten selbst mitzubringen. Der Preis ist zwar nicht so günstig im Verhältnis zu den anderen Kosten im Land, aber man bekommt wirklich qualifiziertes Personal zur Verfügung gestellt.

Pasachoa

oberhalb der Baumgrenze

Der erste Berg in unserer Trilogie war der Pasachoa, ein erloschener Vulkan südlich von Quito. Er ist leicht zu erreichen mit dem öffentlichen Bus und anschließend mit einem Pickup, der an der Busstation einfach zu organisieren ist. Eine abenteuerliche halbstündige holprige Fahrt rechtfertigt den Preis von USD 5 /p.P.. Mit dem Fahrer kann man gleich auch einen Abholtermin vereinbaren - hat bei uns sehr gut geklappt.

Bus

Gerlinde auf dem Pickup

Das Gebiet rund um den Pasachoa ist ein Schutzgebiet, wo ein Eintritt (ca. 2 US-$) verlangt wird. Beim Gate wird auch eine kleine Skizze mit den verschiedenen Lehrpfaden überreicht, die es einem leicht macht, sich zu orientieren. Nach anfänglich leichtem Gelände geht es rasch steil bergauf durch den Dschungel.
Gipfel im Hintergrund

in Hintergrund der Gipfel

Nach ca. 1 Stunde verlässt man die Baumgrenze und wandert steil durch das berühmte Andengras. Da wir erst um 10 Uhr starteten kamen wir so in die Mittagssonne - und das fast am Äquator! Bei einer Höhe von ca. 3.500 m ist ein netter Rastplatz der auch üblicherweise für Wanderer ohne Führer das Ziel ist. Es ist aber kein Problem auch ohne Führer weiterzugehen. Hier kommt man erstmals zum Kraterrand des bereits lange erloschenen Vulkanes und kann sich ein Bild des Kraters und der Lavaverläufe machen. Der Krater ist auf einer Seite abgebrochen, ansonsten ist alles bereits sehr zugewachsen und voll bewaldet. Nun geht es mehr oder weniger immer am Kraterrand weiter steil rauf. Bei einer Höhe von ca. 4.000m kommt ein Felsvorsprung den es zu überwinden galt, danach geht es durch Wald (und das auf dieser Höhe!) weiter, immer steil bis zum Gipfel.

Diesen Teil der Strecke mussten wir auslassen, da die Zeit zur Rückkehr drängte. Den letzten Bus nach Quito wollten wir nicht verpassen.

 

 

Gerlinde

Gerlinde

Tipp zur Besteigung: Eventuell bereits am Vorabend Anreisen und im Camp nächtigen (sah recht passabel aus) und am nächsten Tag in der Früh den Aufstieg machen. Die Mittagshitze am Äquator ist doch recht unangenehm. Eventuell auch ein Seil und Sicherungsmaterial für den Felsvorsprung mitnehmen. Es soll auch eine Umgehungsstrecke geben, die aber nicht minder steil sein soll.

Blumen

Blumen auf 4.000m

Baum

am Kraterrand

Illiniza Norte

Unser nächstes Bergziel war der kleinere Gipfel der Illiniza-Zwillinge, der Nordgipfel. Mit 5.126m (oder auch 5.116m, je nach Quelle) sollte dies für Gerlinde der erste 5.000er werden. Technisch ist der Berg eher einfach, aber keineswegs zu unterschätzen. Der Illiniza ist, wie könnte es auch anders sein in Ecuador, ein erloschener Vulkan.

Da die Anreise eher etwas schwierig ist und Verpflegung selbst mitgenommen muss, bedienten wir uns einer der zahlreichen Agenturen, Freddy Ramirez. Seine Agentur Sierra Nevada arbeitet auch mit dem österr. Alpenverein zusammen. Das beigestellte Material, Zelt Schlafsack, etc.) war auch von sehr guter Qualität. Ebenso unser Guide, Awram, war ein sehr umsichtiger Führer.

Mit einem Geländewagen ging es die Pan Americana Richtung Süden. Nach ca. 2 Stunden ging es nun einer schmalen Strasse entlang die sich zu einer Sandpiste entwickelte. Kurvenreich ging es bis zu unserem Lagerplatz auf ca. 3.800m.

jeep

Jeep im Gelände

Während unsere Begleiter die Zelte aufstellten und das Essen vorbereiteten, gingen wir etwas weiter rauf und erkundeten die Umgebung. Leider spielte das Wetter nicht so richtig mit. Immer wieder wechselten sich Sonnenschein und Regenschauer ab. Trotzdem war die Natur sehr schön. Das berühmte Andengras in den Sonnenstrahlen ist ein Erlebnis. Trotz der Höhe entwickeln sich hier auch einige Blumenarten die einen nette Abwechslung in die Landschaft bringen.

Lagerplatz, im Hintergrund der Gipfel in Wolken

Gerlinde im Andengras

Nach einem guten Abendessen und noch einem Plauscherl mit unseren Begleitern gingen wir alle früh schlafen.

Ursprünglich wollten wir um 5 Uhr in der Früh schon aufbrechen. Da es aber regnete, und es daher zu gefährlich wäre in der Dunkelheit den steilen Hang zu begehen, brachen wir eine Stunde später auf. Das Terrain war feucht, und ständig nieselte es. Zwar hielt unsere Kleidung der Feuchtigkeit stand, aber es gibt doch etwas netteres in den Bergen als im Regen zu wandern. Nach ca. 3 Stunden steilem

Nebelwand

immer wieder Nebel und Regen

Aufstieg durch das feuchte Gras kamen wir zum Refugio "Nuevos Horizontes" auf 4.650m. Nach einer kurzen Stärkung ging es weiter. Nach 3 Minuten kommt man zur Kreuzung, wo es Richtung "Illiniza Sur" (5.248m) geht. Wir hielten uns rechts und trotteten nun immer mehr und mehr auf Gesteinsuntergrund dem Nordgipfel entgegen. Leider konnten wir diesen nicht sehen, da das Wetter beständig schlecht blieb.

War es schon bisher alles andere als flach, so wurde es nun noch steiler. Zusätzlich musste man sehr aufpassen, da der Schotter bei jedem Schritt nachgab. Es kostete einiges an Kraft, hier die steilen Passagen zu überwinden. Immer wieder kamen wir zum Grat, wo es stürmte, sodass man aufpassen musste, nicht den Halt zu verlieren. Einmal ins rutschen kommen und es geht einige hundert Meter runter.

Nach ca. 3 Stunden kam nun noch ein bisschen Kletterei und danach der Gipfelsieg! Da der Wind stark war, und auch der Regen kam, beeilten wir uns mit dem Abstieg. Der Abstieg ging auf einer anderen Route, vertikal ein Geröllfeld hinunter. Mit jedem Schritt schien es, dass auch das Wetter sich auch wieder besserte.

Im Lager wartete bereits unser Koch Hermàn mit einer Jause. Gerlinde hatte leichte Kopfschmerzen und legte sich schlafen. Nun sah man auch wieder den Gipfel!

Tipp: Die erste Nacht nicht am Campingplatz verbringen, sondern bereits am Refugio. Da hat man dann den ersten anstrengenden Teil bereits hinter sich und ist am 2ten Tag auch früher am Gipfel.

Blumenimpressionen in den Anden

Altar

Photo by Pete hall

Zum Schluss unserer Bergtouren in Ecuador machten wir noch eine Trekkingtour im Gebiet des Altar. Auch der Altar war ein Vulkan. Von Banos aus organisierten wir mittels einer Agentur diese 2 Tagestour. Oftmals wird sie als 3 Tagestour angeboten.

Nach einer langen Autofahrt, zuerst die Pan Americana, danach eine Schotterstrasse, erreichten wir unseren Ausgangspunkt. Schon alleine wegen der Anreise zahlt es sich aus, diese Tour organisiert zu unternehmen. Das Gepäck wird später von Pferden zum Rifugio getragen.

Kinder auf einem Muli

Kinder mit Hundebaby

aufwachsen in der Abgeschiedenheit

Wir stiegen, umgeben von Almen und Weiden, nun hinauf. Zuerst etwas steiler, dann aber etwas flacher, einen Pfad immer stetig bergan. Immer wieder sieht man weidende Kühe - man glaubt es kaum in Ecuador zu sein, eher auf heimischen Almen.

Andengras

Gerlinde inmitten des Andengrases

RifugioDas Andengras wird immer dominanter, je höher man aufsteigt. Es ist ein echter Genuss hier zu gehen. Bei einer Quelle füllten wir unser Trinkvorräte auf, machten Rast und bestaunten die Anden. Nach ca. 4 Stunden herrlichem Wandern ist man bei den Hütten. Schon weit vorher sieht man den charakteristischen Kessel des Altar. Tagsüber sind die Gipfel meist in Wolken verhüllt, sodass man die Mächtigkeit nur erahnen kann. Die Kante, hinter sich der See "Laguna Amarillo" befindet, ist gut sichtbar. Die Hütten selbst befinden sich auf ca. 3.500m und ein Tal erstreckt sich zu deren Füßen. Früher war dies ein nettes Tal, wie uns Freunde und auch der Guide berichteten. Allerdings muss 1999 im Frühjahr vom Gletscher eine riesige Lawine abgegangen sein, der den See in einer Flutwelle übergehen ließ, und das Tal verwüstete. Die Flutwelle ging bis in die Dörfer. Nun sind die Wiesen mit Schotter und Gestein zerfurcht.

Am Abend gaben die Wolken den Blick auf das Panorama des Altar frei - es war atemberaubend schön!

Farbenspiele am Abend

Abendstimmung am Altar

Tal

Zeitig am nächsten Morgen ging es nach einem kurzen Frühstück zum "Lago Amarillo". Der Altar war noch immer schön zu sehen - aber im Laufe des Aufstiegs kamen bereits die Wolken und verhüllten nach und nach die Gipfel des Altar.

Lago Amarillo

Lago Amarillo

Nachdem das zerfurchte Tal überwunden war, ging es nun für ca. 1 Stunde steil bergauf. Ständig durch Gebüsch und hohes Gras. Nach dem steilen Stück standen wir am Rand des natürlichen Staudamms, der nun zu unseren Füßen lag. Rundum die hohe steile Bergkette mit den wunderbaren Hängegletschern. Mächtig hängen diese von den Hängen herab - ein beeindruckendes Bild!

beeindruckend - Hängegletscher

Gletscher

Im Angesicht dieses Panoramas nahmen wir ein kurze Brotzeit und stiegen wieder zu unseren Hütten ab, wo wir nun ausgiebiger Frühstücken konnten.

Panorama

Der Rückweg war nun einfacher, immer leicht bergab, und wir genossen jeden Sonnenstrahl, legten manchmal Pausen ein und beobachteten die Kühe die hier weideten.

Teatime auf 3.500m

Teatime

Blume

Sonnenschein in Blumenform

Auch konnten wir 2 Adler und einen Kondor am Himmel ihre Kreise ziehen sehen.

Nach lockeren 2 Stunden kamen wir nun wieder zum Auto zurück. Unser Gepäck war bereits von den Pferden in das Tal getragen worden. Beaufsichtigt von einem kleinen Jungen, der auch ohne Sattel sicher auf dem Pferd sitzt.

Buchempfehlungen:

Rother Verlag Ecuador cover Traumberge Amerikas

[Mountain]

    [Österreich]    [Ausland]    [Aconcagua]    [Kilimanjaro]    [Monte Rosa]    [Klettern]    [Vulkane]